Sakartwelo und Hajastan

Das sind die Eigenbezeichnungen von Georgien und Armenien – zwei Länder, die auf Deutsch ganz andere Namen tragen. Wir genossen dort die Erntezeit mit frischem Obst und Gemüse, die beeindruckenden Landschaften und den beginnenden Herbst. Von beiden Ländern waren wir begeistert!

Lagodechi – Ninozminda | 17.09.2025 – 04.10.2025 | 484,52 km | 6239 m

In Lagodechi, einem hübsch gelegenen Ort nahe der Grenze zu Aserbaidschan, haben wir uns einen Pausentag gegönnt. Wir haben ein cooles Tiny House gemietet, wo wir selber kochen konnten. In Georgien war gerade die Erntezeit und wir genossen das viele frische Gemüse und die süssen Früchte!

Schon beim Ortseingangsschild von Lagodechi stach uns die schöne georgische Schrift ins Auge. Spannend dabei ist, dass es sich um ein eigenständiges Schriftsystem handelt, also eine Schrift, die nur für die georgische Sprache entwickelt wurde und nicht von einer anderen Schrift abgeleitet ist.  Georgien, bzw. Sakartwelo, schreibt sich somit so: საქართველო.

Wir fuhren danach in den sehr bekannten Ort Sighnaghi, wo ich 2014 auch schon mal mit dem Rucksack hingereist bin. Die Fahrt dorthin war zuerst sehr entspannt, da es fast konstant bergab ging. Etwa 10km vor Sighnaghi, das sehr malerisch auf einem Hügel liegt, begann dann der Aufstieg zur kleinsten Stadt Georgiens. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, aber die wunderschöne Landschaft entschädigte dafür voll und ganz!

In Sighnaghi machten wir wiederum einen Pausentag, dieser war aber dem schlechten Wetter geschuldet. Kurz nach unserer Ankunft begann es nämlich zu regnen und der Regen hielt über 24h an! Somit fiel unser Sightseeing in der Stadt auch recht kurz aus. Die An- und Abfahrt blieben das Highlight unseres Besuchs!

Zum Glück hörte der Regen am Morgen unserer Abreise auf und wir konnten die restlichen Höhenmeter im Trockenen überwinden, bevor es auf der anderen Seite wieder bergab ging. Die Temperatur war perfekt zum Radfahren und wir genossen das schöne Wetter. Am Mittag hielten wir in einem tollen Restaurant mit einer schönen Aussicht und wir genossen georgische Spezialitäten. Im Restaurant verliebte sich ein Hund in uns, nach dem Essen folgte er uns über mehrere Kilometer. Wir haben schon überlegt, wie wir den herzigen Kerl adoptieren könnten und haben ihn sogleich Globi getauft, da er so albern aussah mit seinen riesigen Ohren. 🙂 Leider verloren wir uns an einer Kreuzung… Mach’s gut!

Im Ort Sagaredscho retteten wir uns kurz vor einem einsetzenden Sturm in ein Hotel. Die Fahrt dorthin war sehr schön, da sie durch das georgische Weingebiet führte. Wir sahen viele Reben, Burgen, Marktstände und schöne Berglandschaften. Nach einer weiteren schönen Tagesetappe erreichten wir die Hauptstadt Tiflis, auf Georgisch Tbilissi.

Dort machten wir drei ganze Tage Pause, um die sehr interessante Stadt zu erkunden. Am Montag trafen wir Anastasia wieder, mit welcher wir in Usbekistan gemeinsam am Aralsee waren. Sie hatte einen langen Layover in Tbilissi und wir verbrachten den Tag zusammen, bevor sie am Abend weiter flog.

Tbilissi ist eine sehr schöne und spannende Stadt, mit vielen Kirchen, alten Häusern, Plätzen und Brücken. Natürlich gab es auch Einkaufszentren und moderne Restaurants. Unser Shopping beschränkte sich aber auf zwei neue Ersatzschläuche für unsere Fahrräder.

Während unseres Aufenthalts entschieden wir uns spontan, einen kurzen Abstecher nach Armenien zu machen. Die Grenze war nur eine Tagesetappe von Tbilissi entfernt und es war somit sehr verlockend, noch ein weiteres Land mit dem Velo erkunden zu gehen.

Wir mussten in Tbilissi zuerst über den Kura, welcher die Stadt in zwei Hälften teilt, bevor wir Richtung Süden fahren konnten. Eigentlich wollten wir der Hauptstrasse folgen, aber plötzlich befanden wir uns vor einem Autobahn-Schild. Wir trauten uns nicht, in Georgien auf der Autobahn zu fahren, weshalb wir uns entschieden, über die Hügel südlich der Stadt zu fahren.

Uns erwartete ein sehr strenger Aufstieg! Teilweise war die Steigung über 20%, und somit zum Radfahren für uns viel zu steil. So schoben wir die Räder mehrheitlich den Berg hoch. Ein richtiges Workout, denn die Velos sind ja nicht gerade leicht! Oben angekommen dann die Überraschung: Privatgelände, betreten verboten! Offenbar befand sich dort ein exklusiver Golfklub.

Unsere Routenführung von Komoot wollte aber, dass wir dort ein kleines Stück durch den Wald fahren, um auf einen Weg auf der anderen Seite zu gelangen. Leider hatte es dort aber einen Stacheldraht. Wir sahen aber, dass jemand an einer Stelle den Draht schon runtergedrückt hatte. Als wir werweissten, trafen noch zwei junge deutsche Radler ein, die auch von Komoot dort durchgeschickt wurden…

Wir entschieden dann, kurz und unauffällig über den Zaun zu steigen. Es war schlussendlich kein Problem und wir fanden den anderen Weg auf der anderen Seite. Dort ging es wieder bergab, es war aber offensichtlich keine Fahrradstrecke, sondern ein Wanderweg. Die Aussicht war aber super!

Wir machten dann kurz nach der Abfahrt und einem kleinen Schwatz mit den Jungs aus Deutschland in einer Raststätte in der Nähe der Stadt Marneuli Halt, da wir sehr müde vom Fahrrad-Schieben waren. Am nächsten Tag erreichten wir nach etwa 35km die Grenze.

Die Ausreise aus Georgien war problemlos und ging auch recht schnell, da wir die Autos überholen konnten. Die Armenier waren eher wenig erfreut über unsere Stempel von Aserbaidschan, was uns noch ein paar extra Fragen bescherte. Ich sah auch, dass sie die Stempel von Aserbaidschan scannten und irgend etwas dazu in ihr System eintippten. Zudem sah ich auch ein Bild von meinem alten Pass von meinem Besuch 2014 im System, sehr interessant.

Trotzdem war der Grenzübertritt recht entspannt. Ein paar Meter nach der Grenze konnten wir Geld abheben, eine SIM-Karte kaufen und in ein Hotel einchecken.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war schön kühl, perfekt zum Radfahren. Die Umgebung war wunderschön! Wir folgten dem Fluss Debed, welcher zu Beginn noch die Grenze zwischen Georgien und Armenien bildete. Danach fuhren wir allmählich in die Debed-Schlucht, umgeben von steilen Felsklippen bot sich uns eine atemberaubende Szenerie! Abgesehen von den vielen Minibussen, welche zwischen Jerewan und Tbilissi verkehren, hatte es auch viel weniger Verkehr als erwartet.

Unser Tagesziel war der Ort Haghpat, berühmt für sein uraltes Kloster. Der Aufstieg zum Ort war sehr anstrengend, da es so steil war! Oben angekommen gingen wir zuerst zum wunderschön gelegenen Zeltplatz und bauten unser Zelt auf. Danach fuhren wir ohne Gepäck zum Kloster, welches im 10. Jahrhundert gegründet wurde.

Armenien ist dasjenige Land, welches als erstes – bereits 301 n. Chr. – das Christentum als Staatsreligion angenommen hat. Dazu noch ein spannender Fakt: Die armenische Schrift wurde um 405 n. Chr. vom Gelehrten Mesrop Maschtots erfunden. Maschtots entwickelte ein Schriftsystem, um die Bibel zu übersetzen und den Glauben im Volk zu verankern. Die Schrift mit ursprünglich 36 Buchstaben wird bis heute verwendet, war aber für uns sehr schwierig zu entziffern! Beispiel: Հայաստան bedeutet „Armenien“ bzw. Hajastan.

Durch das aufkommende schlechte Wetter war beim Kloster ganz eine spezielle, mystische Stimmung. Auf der Rückfahrt kauften wir ein (viel Gemüse) und fuhren noch beim WW2-Memorial vorbei, bevor wir in der Küche des Campingplatzes unser Nachtessen kochten. Danach legten wir uns auch schon schlafen, denn wir waren sehr müde vom Aufstieg.

Es hatte in der Nacht geregnet, aber im Zelt blieben wir trocken und es war in unseren Schlafsäcken auch kuschlig warm. So machte das Zelten – trotz Regen – viel mehr Spass, als in der zentralasiatischen Hitze! Wir fuhren erst kurz vor Mittag los, da wir uns noch mit einem deutschen Vanlifer unterhielten, der ebenfalls auf dem Campingplatz logierte.

Wir fuhren weiter in den wunderschönen Canyon hinein. Jedoch, vielleicht wegen dem kalten Wind und meiner immer dünner werdenden Hose, machte sich mein Knie bemerkbar, weshalb wir nur eine kurze Etappe fuhren und im kleinen Ort Tumanyan Halt machten. Dort konnten wir Wäsche waschen und viel wichtiger, unser Zelt trocknen!

Am nächsten Tag fuhren wir viele Höhenmeter, da wir vom Talboden des Canyons aufsteigen mussten. Es war wieder traumhaft schön und nach dem Mittagessen kam auch die Sonne hervor! So erreichten wir die drittgrösste Stadt Armeniens, Wanadsor, wo wir einen Tag (Regen-)pause einlegten.

Nach der Pause in einem sehr schönen Guesthouse (Noy’s B&B) machten wir uns auf den Weg in die zweitgrösste Stadt Armeniens, Gjumri. Unterwegs dorthin fuhren wir wiederum durch ein schönes Tal. Die Landschaft in Armenien war wirklich überall traumhaft schön. Es wehte aber ein eisiger Wind in unseren Rücken! Höhepunkt des Tages war die Passhöhe von knapp 2000m ü.M., bevor die lange Abfahrt in die Stadt begann. Die Bäume leuchteten in wunderschönen Herbstfarben.

In Gjumri machten wir am nächsten Tag wieder eine Regenpause, da es am Morgen nach dem Aufwachen in Strömen regnete… Am Nachmittag hörte es auf und wir schauten uns das Stadtzentrum an. Dort gab es eine sehr schöne orange-schwarze Kirche, die nach dem schweren Erdbeben 1988 neu aufgebaut wurde. Vor der Kirche steht nun ein Denkmal für die über 25’000 Todesopfer dieser Naturkatastrophe.

Zum Glück war das Wetter am nächsten Tag wieder tiptop und wir machten uns auf den Weg in den Arpi-Nationalpark ganz im Nordwesten von Armenien. Zuerst machten wir Halt in der Nähe des Marmaschen-Klosters. Wir hatten gehofft, dass man das Kloster von oben – das Kloster liegt an einem Fluss im Talboden – sieht. Leider sah man nur die Spitze. Wir wollten nicht mit dem Fahrrad nach unten fahren, denn wir wussten, dass es ewig dauern würde, die steile Strasse wieder hochzufahren. So wollten wir schon weiterfahren, als wir von einem Obstbauern nebenan angesprochen wurden. Wir erklärten ihm, dass es mit dem Rad zu anstrengend wäre… Eine Minute später sassen wir in seinem Lada 🙂 Er fuhr uns zum Kloster, die Fahrräder parkierten wir neben seinem Gewächshaus. Er führte uns herum und kaufte uns sogar eine Kerze zum Anzünden. Danach fuhren wir wieder hoch zu unseren Velos. Ich wollte ihm zum Dank für seine Zeit 1000 Dram (etwa 2 Franken) geben, doch er wollte es nicht annehmen. Ja, auch in Armenien waren die Leute unglaublich nett zu uns!

Danach ging es weiter Richtung Arpi-Nationalpark. Es war eine tolle Fahrt, obwohl sie sehr anstrengend war. Die Landschaft war sehr interessant, es war ganz anders als zuvor, und es fühlte sich so an, als ob wir gegen das Ende der Welt fuhren. Wenn wir anhielten, war es totenstill. Wir trafen auch kaum Menschen. Es ging hoch über einen kleinen Pass (etwa 2200m ü.M.) und danach auf der anderen Seite wieder bergab, bis wir kurz vor Sonnenuntergang den Arpi-See erreichten.

Fünf Minuten bevor das Besucherzentrum schloss, erreichten wir dieses. Dort musste man sich registrieren, bevor man an den See fährt. Dies taten wir und füllten dort nach ein bisschen Smalltalk noch unsere Wasserflaschen auf. Der Park-Ranger verabschiedete sich so von uns: „Ach ja, es ist Gesetz, dass ich euch darauf hinweise, dass es hier im Park Wölfe und Füchse gibt. Also, seid wachsam! Tschüüüüss!“ – Danach stieg er in seinen Lada und fuhr davon.

Wir fuhren danach noch etwa 2 Kilometer dem See entlang, kurz bevor die Sonne hinter den Bergen verschwand. Schnell bauten wir danach unser Zelt auf und kochten Penne mit Pesto. Dazu machten wir ein kleines Lagerfeuer, um anfällige Wildtiere fernzuhalten. 😉 Danach legten wir uns müde ins Zelt.

In der Nacht wurde es eiskalt, laut Wetterbericht nur etwa 2°, und wir froren auch ein wenig, da wir immer noch die Sommerkleidung trugen. Um etwa acht Uhr standen wir mit dem Plan auf, einen warmen Tee zu machen. Als wir aus dem Zelt kamen die Überraschung: Dichter Nebel, und alles war deswegen klatschnass. Zuerst mussten wir für unseren Tee unsere Gaskartusche am Körper aufwärmen, da das Gas zu kalt war und sich verflüssigt hatte. Nach etwa einer Stunde kam dann endlich die Sonne und der Nebel verschwand. Uns bot sich ein wunderschöner Blick auf den spiegelglatten See.

Nachdem wir die Aussicht genossen hatten, packten wir unsere Sachen zusammen. Leider war alles feucht, was über Nacht draussen war. Da wir erst etwa um 11 Uhr morgens losfuhren war es zu dem Zeitpunkt wieder schön warm, obwohl wir uns immer noch über 2000m ü.M. befanden.

Über eine schlechte Wellblechstrasse ging es bis nach Tavshut, eine kleine Ortschaft mit einem Geschäft. Dort kauften wir ein Brot, welches wir mit dem übrig gebliebenen Pesto vom Vortag zu Mittag assen. Unterwegs erhielten wir noch einen riesigen Plastiksack voller Zwetschgen und Äpfel geschenkt. Danach fuhren wir an die Grenze, welche wir problemlos überqueren konnten.

Danach waren es noch ungefähr 20km bis nach Ninozminda, einem kleinen Ort in der Region Samzche-Dschawachetien. Auch auf der georgischen Seite war es sehr schön, da wir am Madatapa-See vorbeifuhren, welcher ein Naturschutzgebiet ist. Dort checkten wir in ein Hotel ein, um eine dringend benötigte Wäsche zu machen und unsere Sachen zu trocknen.

Lange werden wir nicht in Georgien bleiben…

4 Gedanken zu „Sakartwelo und Hajastan“

  1. Wieder herzlichen Dank
    für den super guten Reisebericht, wir bewundern Euch Beide!! Weiter alles Gute liebe Grüsse aus der Schweiz Hans und Vreni

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert