Wir sind in Europa!

Mit der Fähre verliessen wir den asiatischen Kontinent und erreichten in Piräus das europäische Festland. Wir genossen in Griechenland ein paar tolle Fahrtage, besichtigten eindrückliche Ruinen aus der Vergangenheit und genossen das vorzügliche Essen!

Piräus – Patras | 29.11.2025 – 09.12.2025 | 239,71 km | 1340 m

Von Kuşadası nahmen wir die Fähre zur griechischen Insel Samos, welche nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegt. Im Winter fuhr diese nur einmal pro Woche, jeweils samstags. Im Voraus erkundigten wir uns per WhatsApp, ob wir überhaupt ein Fahrrad mitnehmen durften, was uns schriftlich bestätigt wurde. Somit reservierten wir online zwei Tickets für je 35€.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf und fuhren etwa einen Kilometer zum Fährhafen. Es war draussen noch stockfinster und es fielen ein paar Regentropfen. Nachdem ich die Boardingpässe für die Fähre abgeholt hatte, begann es in Strömen zu regnen. Wir mussten noch einige Zeit warten, zum Glück unter dem Vordach vom Burger King, bis wir auf unser kleines Schiff durften.

Durch das schlechte Wetter war die einstündige Überfahrt nach Samos sehr unruhig, zum Glück hatten wir Tabletten gegen Reisekrankheit genommen. Nach einer kurzen Passkontrolle hatten wir die EU, und somit offiziell Europa, erreicht! Leider gab es keinen Stempel in den Pass. Auch auf Samos gewitterte und regnete es bei unserer Ankunft heftig.

Zum Glück konnten wir frühzeitig in unser Hotelzimmer einchecken. Am Nachmittag hatten wir überraschenderweise kurz etwas blauen Himmel, bevor es abends wieder begann zu regnen… Wir gingen auswärts essen und erfreuten uns an der grossen Auswahl an Gemüse auf der Speisekarte, und kauften eine Flasche vom zuckersüssen Samos-Wein, welche wir im Hotelzimmer als Dessert genossen.

Auch am nächsten Tag regnete es immer noch, und wir mussten wohl oder übel im Regen bis zum Fährhafen fahren, welcher auf der anderen Seite des Dorfs lag. Unterwegs assen wir noch etwas, und glücklicherweise hörte währenddessen der Regen auf, bevor wir den letzten Kilometer bis zur Fähre fuhren.

Die Fähre legte pünktlich um 14:10 ab, und wir machten uns in unserem Business-Class Sitz bequem. Die Fahrt ging zu verschiedenen Inseln, wie Ikaria und Mykonos, bevor wir um 01:00 morgens in Piräus ankamen. Vom Fährhafen fuhren wir noch bis zu unserem Hotel ganz in der Nähe: Wir entschieden uns, ein Hotel in Piräus (statt in Athen) zu buchen, da wir so spät ankamen.

Am ersten Tag ruhten wir uns aus, da wir durch die lange Anreise fast ein wenig Jetlag hatten. Am Nachmittag machten wir einen kleinen Spaziergang durch das Quartier, und am Abend gönnten wir uns ein tolles Abendessen mit viel Gemüse, was wir in der Türkei sehnlichst vermisst hatten.

Am nächsten Tag nahmen wir die Metro nach Athen. Natürlich wollten wir uns die griechische Hauptstadt anschauen. Leider kosteten fast alle Sehenswürdigkeiten Eintritt, so dass wir das Meiste nur von aussen durch den Zaun betrachteten. 

Die Akropolis wollten wir jedoch anschauen, und somit bezahlten wir die 30€ pro Person Eintritt. Es war ein wunderschöner Tag und wir kamen beim Aufstieg schon ein bisschen ins Schwitzen. Schon eindrücklich, was dort vor so langer Zeit erbaut wurde.

Die Akropolis in Athen ist ein antiker Festungs- und Kultbezirk auf einem markanten Felsplateau über der Stadt. Ihr zentrales Bauwerk ist der Parthenon, ein Tempel zu Ehren der Stadtgöttin Athene. Die heute sichtbaren Bauwerke stammen aus dem 5. Jahrhundert AD und gelten als Höhepunkt der klassischen griechischen Architektur. 

Am nächsten Tag ging es schon wieder auf dem Rad weiter, wir machten uns auf den Weg in Richtung Peloponnes. Nach einem kurzen Anstieg beim Verlassen des chaotischen Verkehrs von Piräus erreichten wir das Meer und folgten der Küste. Es war am Morgen noch tolles Wetter zum Radfahren und wir genossen die schönen Aussichten auf das Meer. Wir fuhren dabei auch am Schiffswrack des MS Mediterranean Sky vorbei, welches 2003 ganz nahe der Küste gekentert war.

Die Küstenstrasse war herrlich, auch wenn die Qualität des Belags manchmal zu wünschen übrig liess, vor allem im Vergleich mit den perfekten Strassen in der Türkei. Abgesehen davon hatten wir uns das Radfahren in Griechenland genau so vorgestellt: Olivenhaine, Orangen- und Zitronenbäume, steile Klippen und das blaue Mittelmeer. 

Am Nachmittag zogen jedoch dunkle Wolken auf, und wir entschieden spontan, in ein wunderschön gelegenes Hotel direkt am Meer einzuchecken. Dies war eine kluge Entscheidung: Der Sturm Byron fegte die nächsten paar Tage über Griechenland und stürzte das Land in ein ziemliches Chaos. Schulen wurden geschlossen, Strassen waren überflutet, Verkehrswege abgeschnitten, Internet und Strom fielen teilweise aus. Sogar Athen, welches wir bei bestem Wetter besichtigt hatten, stand unter Wasser. 

Auf einmal bekamen wir auf dem Handy eine Nachricht des Katastrophenschutzes. Das Verlassen des Hauses sei sehr gefährlich und man solle dies nur im Notfall tun. Wir erschraken ganz schön, als das Handy laut klingelte.

So war an die Weiterfahrt am nächsten Tag nicht zu denken: Es regnete in Strömen und den ganzen Tag gewitterte es. Teilweise schlugen die Blitze mit einem lauten Krachen wenige 100m neben unserem Hotel ein… Wahrscheinlich funktionierte deswegen auch das Internet nach dem zweiten Tag nicht mehr. 

Zu unserer Freude trafen noch weitere Radreisende im Hotel ein: Manuel und Hanna aus Deutschland waren auch schon mehrere Monate in Europa unterwegs. Wir trafen sie am zweiten Tag morgens beim Frühstück, und verbrachten den ganzen Tag gemeinsam in der Hotellobby und dem Restaurant. Es war wirklich eine tolle Begegnung und es war super schön, sich mit jemandem auszutauschen, der eine ähnliche Reise machte und somit unsere Erlebnisse und Erfahrungen nachvollziehen konnte.

Am Nachmittag trafen dann noch die Schwestern Agnes und Sophie, auch aus Deutschland, ein. Sie hatten sich durch den Regen gekämpft, da sie am Morgen noch gezeltet hatten. Auch sie gesellten sich zu uns, und so konnten wir zu sechst über das Radfahren und unsere Reisen fachsimpeln. Natürlich war auch die Ausrüstung ein wichtiges Thema, zum Beispiel die Stühle 🙂

Zu unserem Glück gab es in diesem Hotel auch ein tolles Restaurant, so konnten wir das tolle griechische Essen geniessen und mussten nicht auf dem Balkon Pasta kochen. Einzig unserem Budget hat dies nicht so gefallen 😉

Nach drei Nächten Zwangspause kam dann endlich die Sonne wieder hervor und wir konnten weiter radeln. Die anderen Vier fuhren leider in die andere Richtung nach Athen, wo ihre Reisen zu Ende gingen, wir hingegen fuhren weiter Richtung Peloponnes.

Unsere Etappe führte uns zum Kanal von Korinth, welcher seit 1893 die Halbinsel Peloponnes vom griechischen Festland trennt. Durch die Verbindung des Saronischen Golfs mit dem Golf von Korinth verkürzte sich die Weglänge zwischen den beiden wichtigen Häfen Piräus und Patras auf etwa ein Drittel.

Wir überquerten den Kanal auf einer der absenkbaren Brücken und fuhren dann noch ein paar Kilometer durch riesige Olivenhaine nach Archaia Korinthos (altes Korinth). Dort gab es einen Zeltplatz, wo endlich wieder einmal unser Zelt zum Einsatz kommen durfte. Es wurde früh dunkel, so dass wir mit Stirnlampe unsere Pasta kochen mussten. Es war auch recht frisch, so dass wir unsere Daunenjacken wieder hervornehmen mussten. Auf die Dusche im Freien verzichteten wir, da es für unseren Geschmack zu kalt war. Im Schlafsack war es aber dann kuschlig warm und wir hatten sehr Freude, endlich wieder mal zu zelten!

Am nächsten Morgen packten wir unser (nasses) Zelt wieder zusammen, kochten Kaffee und Frühstück, und fuhren der Küste entlang Richtung Nordwesten. Das Radfahren war sehr einfach, da wir dem Meer folgten und es somit fast keine Höhenmeter zu erklimmen gab. Wir genossen die Aussicht auf das Meer und vor allem die Tatsache, dass wir fast konstant Rückenwind hatten – Dies war bisher auf unserer ganzen Reise fast nie der Fall! An diesem Tag überschritten wir ausserdem 1000 Stunden im Sattel auf dieser Reise!

Am Abend zelteten wir wieder auf einem schönen Campingplatz am Meer. Zum Glück war es dieses Mal viel wärmer, so dass wir uns Zeit nahmen zum Kochen und sogar noch draussen ein wenig sitzen blieben, bevor wir uns ins Zelt legten.

Nach dem Frühstück – unsere restlichen Haferflocken mit Äpfeln und Datteln – fuhren wir dem Meer entlang weiter. Kleine Dörfer wechselten sich ab mit Zitrusplantagen und schönen Klippen. Es war traumhaft, obwohl das Wetter wieder launischer wurde. Einmal schien die Sonne, ein paar Minuten später wehte ein kalter Wind und manchmal fielen sogar ein paar Tropfen.

Eigentlich planten wir, direkt bis nach Patras zu fahren, entschieden aber spontan um und hielten bei einem Zeltplatz, welcher uns von einem uns entgegen kommenden Radfahrer empfohlen wurde. Leider hatten wir wegen unserem ursprünglichen Plan nichts eingekauft, und mussten unser Nachtessen etwas improvisieren. Eine Bekanntschaft auf Instagram – ein Motorradfahrer aus Taiwan – war zufällig in der Nähe und er brachte uns immerhin eine Dose Thunfisch, welche wir in unseren Reis geben konnten.

Am Morgen gab es ein ebenfalls improvisiertes Frühstück: Schokoladenpudding und Kekse. Somit waren all unsere Vorräte geplündert und die Vorratstasche so leer wie schon lange nicht mehr. Leider war über Nacht einer von Vivis Schlappen verschwunden. Wahrscheinlich hatte der süsse Hund, welcher immer um unser Zelt herumschlich und sich um unsere Aufmerksamkeit bemühte, diesen in der Nacht geschnappt und irgendwo auf dem Zeltplatz versteckt. Auf jeden Fall fanden wir ihn nicht mehr…

Wir fuhren bei wolkenlosem Himmel die restlichen 30km bis nach Patras, noch einmal auf einer tollen Strecke der Küste entlang. Der ursprüngliche Plan sah vor, von dort aus wieder auf das Festland zurückzukehren und danach nordwärts Richtung Albanien zu fahren. Leider mussten wir aber diesen Plan aufgeben, da es im Norden von Griechenland immer noch starke Regenfälle und Gewitter gab. Ausserdem wurde auch für den Balkan schlechtes Wetter, Wind (Bora) und eiskalte Temperaturen vorhergesagt. Schade, aber wir wollten nicht irgendwo hinfahren, wo wir schon im Voraus wussten, dass es ein einziger Kampf würde. So ging unsere Etappe in Griechenland viel früher als erwartet zu Ende. Auch schade, denn es gefiel uns richtig gut. 

Somit buchten wir eine Fähre von Patras nach Bari in Süditalien. Wir fuhren direkt zum Fährterminal, wo wir eincheckten und eine Stunde später die Fähre boarden konnten. Leider wurde uns (schon zum dritten Mal auf dieser Reise) unsere Gaskartusche abgenommen, was ich sehr ärgerlich fand, zumal auch riesige Tanklaster auf die Fähre fuhren…

Kurz nach dem spektakulären Sonnenuntergang über dem Meer fuhr die Fähre los Richtung Italien!

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