Bis ans Mittelmeer!

Mitte Februar hatten wir in China dem südchinesischen Meer den Rücken gekehrt. Nun haben wir nach einigen abenteuerreichen und unvergesslichen Monaten im Inland wieder eine Meeresküste erreicht. Ein emotionaler Moment!

Akşehir – Kuşadası | 10.11.2025 – 28.11.2025 | 507,50 km | 2430 m

Schlussendlich wurden aus unseren zwei geplanten Pausentagen in Akşehir ganze vier Tage, bis wir uns wieder auf den Weg machten. Vivi hatte sich (wieder mal) eine Erkältung eingefangen und war nicht fit.

Hauptattraktion von Akşehir war, dass in dieser Stadt Nasreddin Hodscha gelebt haben soll. Es gab verschiedene Statuen zu seiner Person. Wer unseren Bericht aus Usbekistan gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass wir dort in einem Spielfilm mitgespielt haben. Protagonist dieses Films war Nasreddin, welcher sich auf eine Zeitreise begeben hatte. Mittlerweile haben wir übrigens erfahren, dass es unsere Szene in die Kinofassung geschafft hat. 😉

Als Vivi wieder einigermassen gesund war, fuhren wir in die Stadt Çay. Es war eine einfache und flache Etappe. Ironischerweise erhielten wir in dieser Stadt zum ersten Mal seit unserer Ankunft in der Türkei keinen Tee (Çay) nach dem Nachtessen spendiert. Mittlerweile war es Mitte November und in der Nacht schon sehr kalt, da wir uns immer noch auf dem zentralanatolischen Plateau über 1000m ü.M. befanden.

Am nächsten Morgen hatte Vivi wieder stärkere Grippesymptome, weshalb wir uns für einen Umweg in die Stadt Afyonkarahisar entschieden, welche etwa 50km entfernt war. Sonst hätten wir zelten müssen, und der Wetterbericht sagte -5° für die Nacht vor. Unter normalen Umständen hätten wir das schon machen können, aber da Vivi immer noch halb krank war, schien dies nicht so vernünftig.

In Afyon machten wir wiederum einen Tag Pause, bevor wir weiterfuhren. Wir besichtigen die Stadt, welche vor allem für die markante Festung auf dem Hügel mitten in der Stadt bekannt ist.

Kurz nach Afyon mussten wir einen Tunnel passieren. Vor dem Tunnelportal hatte es einen Knopf, den man als Fahrradfahrer drücken musste. Dies aktivierte vor dem Tunnel eine Warnung für die anderen Verkehrsteilnehmenden, dass sich Radfahrer im Tunnel befinden. Sehr clever!

An diesem Tag erreichen wir zum letzten Mal in der Türkei eine Höhe über 1300m. In den Nächten war es weiterhin sehr kalt auf dem zentralanatolischen Plateau, weshalb wir möglichst schnell tiefere Gegenden erreichen wollten. Ausserdem stellten wir auf diesem Abschnitt fest, dass der Verkehr im Vergleich zu vorher stark zunahm. Nichtsdestotrotz kamen wir flott voran, da wir nun Richtung Süden hinab in die Stadt Dinar fuhren, wo einer der Zuflüsse des grossen Mäanders entspringt.

Von Dinar aus fuhren wir am Acıgöl vorbei, nach dem Tuz Gölü der zweitgrösste Salzsee der Türkei. In Çardak, einem kleinen Ort, standen wir an einer roten Ampel. Ein Mann auf einem Roller fragte uns, wo wir hinwollen. Als wir sagten, wir seien auf der Suche nach einem Zeltplatz, führte er uns durchs Dorf, um uns bei der Suche eines Schlafplatzes zu helfen. So lieb, denn er sagte uns, eigentlich habe er keine Zeit, er müsse zur Nachtschicht. Das Salz und die Mineralien des Acıgöl werden in verschiedenen Fabriken direkt verarbeitet, zum Beispiel zu Waschmittel.

Am nächsten Tag fuhren wir etwa 800 Höhenmeter bergab mit der bisher wohl höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit. Es wurde spürbar wärmer, je weiter unten wir waren, und kurz vor der Stadt Denizli sahen wir auch schon die ersten Palmen am Strassenrand.

Von Denizli aus fuhren wir noch ein paar Kilometer bis nach Pamukkale, wo wir den Streckenkilometer 14’000 erreichten. Pamukkale bedeutet übersetzt „Baumwollburg“ und es ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Türkei. Wunderschöne, weisse Travertin-Terrassen, welche von Thermalwasser überflutet fast märchenhaft blau leuchten.

Leider sind die Terrassen im Winter etwas weniger spektakulär als im Sommer, dafür hatte es kaum Leute. Oberhalb der Terrassen liegt die antike griechische Stadt Hierapolis, welche mit dem selben (teuren) Eintrittsticket besichtigt werden konnte.

Zuerst musste man aber barfuss über die Kalksinterterrassen hochsteigen. Unten war das Wasser recht kalt, aber es wurde immer wärmer, je näher man den Thermalquellen kam. Die Terrassen waren, entgegen deren Namen (Baumwollburg), nicht weich, sondern steinhart und rau, und weil es so kalt war, taten die Füsse beim Gehen etwas weh. Aus der Nähe sah das Travertin aber tatsächlich so aus wie fluffige Baumwolle.

Wir blieben vier Nächte in Pamukkale, da wir ein schönes Airbnb hatten. Dies erlaubte uns, Wäsche zu waschen, selbst zu kochen und uns zu erholen. Vivi war besonders begeistert, dass es im Ort ein authentisches chinesisches Restaurant gab, was wir uns natürlich gönnten.

Von Pamukkale aus fuhren wir dem Mäandertal entlang. Das Feeling war dort eindeutig mediterran: Olivenhaine und Orangenplantagen prägten die Landschaft und es war bedeutend wärmer. Wir merkten aber auch, dass wir uns der touristischen Küste näherten: Viel Verkehr und höhere Preise…


Unterwegs fuhren wir an einigen Baumwollplantagen vorbei, welche gerade abgeerntet wurden. Am Strassenrand lagen überall Watteballen. Interessant waren die vielen neuen Baumarten, welche wir zum ersten Mal sahen. Da es mehrheitlich flach war, kamen wir zügig voran und erreichten unser Tagesziel jeweils bereits am frühen Nachmittag.

In der Stadt Aydın befanden wir uns fast auf Meereshöhe. Von dort aus war es nur noch eine Tagesetappe bis ans Meer. Ein letztes Mal mussten wir noch ein kleine Erhöhung – Gebirge wäre übertrieben – vor der Küste überwinden. Die Strasse wurde gerade umgebaut und war voller Steine, aber immerhin hatten wir Rückenwind.

Kurz nachdem wir den höchsten Punkt erreicht hatten, sahen wir das Mittelmeer! Eine feuchte und frische Meeresbrise wehte uns entgegen – Ein tolles Gefühl. Wir hatten mehrere Monate im Inland verbracht und das Meer zu erreichen, war für uns ein riesiger Meilenstein.

Nach einer rasanten Abfahrt erreichten wir den Küstenort Kuşadası, wo wir ein Airbnb reserviert hatten. Während wir während der Abfahrt noch freilaufende Ziegen sahen, die die Blätter von einem Olivenbaum abknabberten, hatten wir in der Stadt einen kleinen Kulturschock: Der Ort ist sehr beliebt bei Touristen und bot somit alles, was das Urlauberherz begehrt. Dementsprechend hoch waren die Preise in den Restaurants, überall wollte man uns eine Tour verkaufen und es reihte sich Geschäft an Geschäft mit gefälschten Luxusprodukten, Kleidern und Schuhen. Kaum auszudenken, wie es dort in der Hauptsaison aussehen würde 😀

Wir waren froh, hatten wir ein Apartment etwas abseits des Trubels, wo wir uns zurückziehen konnten. Fast zwei Monate fuhren wir durch die Türkei und Kuşadası stand in grossem Kontrast zu der Türkei, die wir in den vergangenen Wochen erlebt hatten.

Wir machten ein paar Tage Pause, um unsere Weiterreise zu organisieren. Wir hatten grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder den Winter an einem warmen Ort abwarten und im Frühling weiterfahren, oder eine möglichst trockene und warme Route auswählen und ohne Pause weiterfahren…

4 Gedanken zu „Bis ans Mittelmeer!“

  1. Hallo ihr 2, wunderschöne Erlebnisse.
    Kusadasi haben wir als Kathastrophe empfunden.
    Totaler Touristennapp.
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise. Viel Gesundheit.
    Ganz liebe Grüße
    Susanne und Erich

    1. Hallo zusammen

      Ja, Kusadasi war definitiv kein Highlight. Wir waren auf jeden Fall froh, nicht während der Hauptsaison dort gewesen zu sein. Zum Glück hatten wir viele andere tolle Erlebnisse in der Türkei. Am besten war es dort, wo vermutlich vorher noch nie ein Tourist war 🙂

      Liebe Grüsse
      Damian & Vivi

  2. Hallo Zäme, vielen Dank, wir freuen uns immer wieder auf die unterhaltsamen, ausführlichen Reiseberichte. Wir vermissen Euch, in der Schweiz ist der Winter auch schön. Im Moment mit sehr viel Schnee in den Bergen. Liebe Grüsse Hans und Vreni

    1. Hallo zusammen

      Wir freuen uns immer, von euch zu hören!
      Ja, es gibt einige Dinge, die wir zuhause vermissen. So ein gemütliches Raclette zum Beispiel. Wir sind jetzt in Italien, da kommt fast ein wenig Weihnachtsstimmung auf 🙂 Fühlt sich schon fast so an wie daheim! Aber noch ein paar Kilometer sind es schon noch!

      Liebe Grüsse
      Damian & Vivi

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