Eisige Temperaturen und dichter Nebel in der Po-Ebene machten das Radfahren zu einer echten Herausforderung. Dort kamen wir der Schweiz schon sehr nahe, drehten aber dann nach Süden, wo wir am Mittelmeer nochmals wunderschönes Wetter geniessen konnten.
Castelfranco Emilia – Jouques | 1.1.2026 – 17.1.2026 | 739,30 km | 3980 m
Wir sind mit einem Tagesausflug nach Bologna ins neue Jahr gestartet. Am 1. Januar nahmen wir am Vormittag den Zug nach la rossa, die rote Stadt. Vivi hatte sich seit langer Zeit wieder einmal chinesisches Essen gewünscht. So assen wir mittags nicht etwa Ragù bolognese oder Tortellini, sondern verschiedene chinesische Spezialitäten.
Nach dem Essen schlenderten wir bei schönem, aber kaltem Wetter durch die eindrückliche Altstadt.
Am nächsten Tag war schon wieder Radfahren angesagt und wir durchfuhren gleich zwei wichtige Städte. Zuerst die Stadt Modena, bekannt für den Balsamicoessig, danach die Stadt Reggio nell’Emilia, wo die Tricolore – die italienische Nationalflagge – ihren Ursprung hatte. Da es aber sehr kalt war, hielten wir nicht oft an und machten den dicken Handschuhen geschuldet auch nicht viele Fotos.

Leider war es (für uns) viel zu kalt, um zu zelten, weshalb wir auf günstige Unterkünfte angewiesen waren. Wir suchten online jeweils die günstigste Option in Tagesdistanz, und radelten dann dorthin. In diesem Fall war es das Dorf Montecchio Emilia.
Von dort aus fuhren wir am nächsten Tag nach Parma, Herkunftsort des gleichnamigen Schinkens und des Parmesan, und dann weiter nach Fidenza, wo wir übernachteten.
Nach Fidenza hatten wir endlich etwas mehr Strassen zur Verfügung, die mehr oder weniger parallel zur Via Emilia verliefen. Auf diesen hatte es viel weniger Verkehr und es war auch landschaftlich viel interessanter als auf der Hauptstrasse. Wir fuhren an einigen sehr schönen Abteien vorbei, welche im Nebel einen besonders mystischen Eindruck machten.
Es war kalt, das Tagesmittel war um 0 Grad, und wenn die Sonne nicht schien, war es unangenehm. Vor allem die Hände und Füsse waren kalt. In Piacenza fuhren wir an einem Decathlon vorbei, und ich kaufte mir dort (endlich!) ein paar neue Handschuhe… Eine Wohltat! Ausserdem kauften wir eine neue Gaskartusche, in der Hoffnung, dass wir nochmals zelten können, bevor wir die Schweiz erreichen.
Danach erreichten wir den Po, welchen wir überquerten. Im kleinen Ort San Rocco al Porto hatten wir eine kleine Wohnung gesehen, wo wir eine Nacht sehr ruhig und bequem schliefen.
Am nächsten Tag fuhren wir bei schönstem Sonnenschein weiter. Trotzdem stieg das Thermometer nicht über den Gefrierpunkt. Hauptsächlich über Land überquerten wir viele kleine Kanäle, sahen wieder mehrere Nutrias, bis wir die Stadt Pavia erreichten. Pavia liegt am Ticino, welcher dem gleichnamigen Schweizer Kanton seinen Namen gab.
In Pavia waren wir nur etwa 70km Luftlinie von der schweizer Grenze entfernt. Am Horizont waren sogar schon die ersten Berge der Alpen zu erkennen. Trotzdem entschieden wir, nochmal die Richtung zu wechseln und ans Mittelmeer zurückzukehren. Der Grund dafür ist, dass wir die Alpen nicht im Winter überqueren wollten bzw. konnten. Der Simplon wäre zwar theoretisch offen gewesen, aber wir trauten uns diesen bei diesen Temperaturen nicht zu.
Natürlich hätten wir in Domodossola einfach den Zug in die Schweiz nehmen können, um die Alpenüberquerung zu vermeiden, dies schien uns aber kein angemessener Abschluss zu sein: Wir wollten die Grenze und die letzten Kilometer dieser Reise mit dem Fahrrad bewältigen!
Wir suchten uns deshalb eine geeignete Stelle aus, um den Apennin zu überqueren. Das Val Bormida schien uns geeignet, da es keine nennenswerten Steigungen gab und wir somit gemütlich und einigermassen warm an die Italienische Riviera rollen konnten. Somit fuhren wir von Pavia nach Alessandria und fuhren von dort in zwei Etappen nach Savona.
Schon bei der langen Abfahrt nach Savona war es spürbar wärmer, was für eine Wohltat!
Hatten wir ein paar Tage vorher noch Minusgrade, war es an der ligurischen Küste angenehm warm, perfekt zum Radfahren. Die Jacken und warmen Handschuhe konnten wir wieder einpacken, und wir fuhren der Küste entlang Richtung Frankreich. Es war so angenehm, dass sogar unser Zelt wieder einmal zum Einsatz kam!
Einen grossen Teil der Strecke konnten wir auf einer alten Bahntrasse an der Küste fahren. Am zweiten Tag in Ligurien erreichten wir bereits die französische Grenze, und wir machten in Menton – dem ersten Ort an der Côte d’Azur – einen Tag Pause.
Nach unserem Pausentag ging es bei bestem Wetter weiter, und wir erreichten am Vormittag den Zwergstaat Monaco. Monaco ist nach dem Vatikanstaat der zweitkleinste Staat der Welt, hat die höchste Bevölkerungsdichte der Welt, und ist bekannt für das Casino in Monte Carlo und den Formel-1-Grand-Prix. Obwohl die Monarchie nicht in der EU ist, gab es keine Grenzkontrolle und nach nur etwa 30 Minuten hatten wir den Stadtstaat auch schon wieder hinter uns. Während der Fahrt waren wir besonders vorsichtig, um nicht etwa eine der unzähligen Luxus-Karossen zu zerkratzen: Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce… Alles war auf den perfekt asphaltierten Strassen zu sehen 😉
Am Nachmittag erreichten wir Nizza, wo wir eigentlich die Schraube abholen wollten, welche Vivi in der Türkei verloren hatte. Diese wurde uns von der vsf Fahrradmanufaktur dorthin versandt, nachdem wir mehrmals versucht hatten, einen Versand zu timen… Leider und zu unserem Ärger war die Sendung aber noch nicht angekommen, so dass wir ohne Ersatzteil weiterfuhren.
Am Abend zelteten wir wieder bei angenehmen Temperaturen auf einem Campingplatz, und wir kochten mit allen Konservendosen, die wir dabei hatten, um mal unsere Vorräte etwas aufzubrauchen.
Der nächste Tag war etwas ganz Besonderes: 500 Tage waren seit unserem Abflug von Zürich bereits vergangen. Als wir vor unserer Reise gefragt wurden, wie lange wir denn weg sein würden, antworteten wir jeweils: „Etwa 500 Tage.“ Mit dieser Schätzung lagen wir somit gar nicht so weit daneben, denn wir waren gefühlt ja schon fast zuhause!
Es war ein traumhafter Tag und unserem Reisejubiläum definitiv würdig. Wir fuhren der Küste entlang und wurden mit spektakulären Ausblicken auf das blaue Meer belohnt. Highlight waren die roten Felsen des Esterel, welche von der Nachmittagssonne wunderschön beleuchtet wurden.
In Fréjus, wo wir übernachtet hatten, nahmen wir zum letzten Mal Abschied vom Meer. Nun ging es wieder Richtung Norden. Auch wenn wir die wunderschöne Côte d’Azur hinter uns liessen, war es im Inland nicht weniger schön. Die Hügel der Provence waren sehr abwechslungsreich, und wir genossen die Fahrt sehr.
Den ersten Halt machten wir in Salernes, das wir nach einem warmen und sonnigen Tag erreichten. Wir folgten grösstenteils der Eurovelo 8, welche gut beschildert war und einer alten Bahntrasse folgte.
Am nächsten Morgen war es vorbei mit dem sonnigen Wetter und es waren graue Wolken am Himmel. Wir folgten weiter der Eurovelo 8, und mussten gleich nach dem Losfahren den ersten Hügel hochfahren. Zum Glück war die Steigung nur schwach… Gerade als wir am Mittag den letzten Bissen des wunderbaren Sandwich aus der Bäckerei gegessen hatten, begann es zu regnen. Wir radelten weiter und hofften, dass unsere frisch imprägnierten Regenjacken nun wieder dicht waren.
Abends kamen wir in Jouques, einem attraktiven mittelalterlichen Ort, an. Für die nächsten zwei Tage war starker Dauerregen angekündigt, weshalb wir für drei Nächte eine Unterkunft buchten. Pause machen, Route planen, waschen, essen, Blog schreiben… Das Übliche halt 🙂
























































Liebe Vivi, lieber Damian
Wir haben jeweils mit viel Freude eure Reiseberichte gelesen und wünschen euch für die letzte Etappe eine wunderschöne, interessante Weiterfahrt🙏bis scho gli wieder in der Schweiz!
liebs Grüessli, Fabienne u Resu
Hallo zäme!
Vielen Dank, dass ihr dabei wart – Wir konnten gestern bei bestem Wetter die letzte Etappe nach Uetendorf fahren und sind jetzt zuhause 🙂
Liebe Grüsse & bis bald
Damian & Vivi