Kurze Tage an der Adriaküste

In Italien war es deutlich kälter als noch in Griechenland. Auch an die frühen Sonnenuntergänge waren wir nicht mehr gewöhnt. Das fantastische Essen hielt uns warm, während wir der Adriaküste entlang den Stiefel hochfuhren. Wir genossen leere Strände und die vielen Fahrradwege.

Bari – Castelfranco Emilia | 10.12.2025 – 31.12.2025 | 751,00 km | 2670 m

Nach einer ruhigen Überfahrt in unserer Zweierkabine auf der Superfast II kamen wir um etwa 9:30 Uhr morgens in Bari an. Nun waren wir schon in der gleichen Zeitzone wie die Schweiz, und bald rollten wir gemeinsam mit zwei anderen Radreisenden – die aber nicht gesprächig waren – von der Fähre.

In der Altstadt von Bari hatten wir uns ein Airbnb gemietet, denn es folgten zwei ganz besondere Tage: Mein Vater kam zu Besuch. Wir genossen gemeinsam das spektakuläre italienische Essen, fantastico! Ausserdem erkundeten wir zusammen die schöne Altstadt. Mit im Gepäck hatte mein Vater zudem noch ein paar Sachen, zum Beispiel neue Schuhe für Vivi. Die alten fielen bereits auseinander und es wär höchste Zeit, diese zu ersetzen.

Nach drei Nächten in Bari hiess es schon wieder Abschied nehmen, und wir schwangen uns wieder in die Sättel. Italien war bedeutend kühler als noch Griechenland, und wir mussten wieder mehrere Schichten anziehen. Zuerst fuhren wir zu Decathlon, wo wir einige Ausrüstungsgegenstände kauften: Imprägnierspray für unsere undichten Regenkleider, Schlappen für Vivi (die alten wurden ja in Griechenland von einem Hund geklaut), Campinggas und Schläuche für die Fahrräder.

Danach fuhren wir der Küste entlang Richtung Norden. Es war sehr spannend, denn das Feeling war ganz anders als an der griechischen Mittelmeerküste. Das Meer sah auch anders aus, und wir entdeckten unterwegs viele verschiedene kleine Dörfer mit hübschen, alten Stadtkernen.

Das Wetter war gut, aber kalt. Immerhin wehte der frische Wind von Süden und wir genossen die Unterstützung. Das Radfahren war einfach, es war sehr flach und zu unserer Freude gab es oftmals sogar einen Radweg. Abends bauten wir unser Zelt auf und mussten im Dunkeln kochen, denn es wurde sehr früh dunkel. Daran waren wir uns nicht mehr gewöhnt.

Am nächsten Tag ging es weiter nordwärts, aber zuerst wurden wir von der Navigation gleich zweimal in eine Sackgasse geführt, weshalb wir einen Umweg fahren mussten. Bei Margherita di Savoia war die Strasse plötzlich gesperrt, und wir mussten gleich noch einmal einen Umweg um die Salinen machen, die dort liegen. Durch diese Zusatzkilometer mussten wir abends noch etwa zwei Stunden im Dunkeln fahren, bevor wir den Campingplatz erreichten.

Es war dort am Meer sehr feucht und es gab dichten Nebel. Nach dem Nachtessen legten wir uns ins Zelt, aber es war eine unangenehme Nacht, da es sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit viel kälter anfühlte, als es eigentlich war. Am nächsten Morgen war es auch noch eiskalt und wir froren, als wir in unseren Daunenjacken das Frühstück zubereiteten. Wir staunten nicht schlecht, als unser lettischer Nachbar im T-Shirt aus dem Campervan stieg und gemütlich eine Zigarette rauchte.

Durch die Kälte bewegten wir uns nur langsam und wir verliessen den Campingplatz spät. Da durch die Feuchtigkeit alles nass war, entschieden wir uns, eine Stadt mit einer Unterkunft anzusteuern. Wir fuhren durch die schöne Landschaft von Apulien nach San Severo, wo wir ein kleines Apartment mieteten. Immerhin waren durch die Nebensaison die Preise recht niedrig.

Von dort aus fuhren wir wieder an die Küste nach Termoli. Dorthin hatte ich meine Kontaktlinsen bestellt. Nachdem wir diese abgeholt hatten, assen wir eine erstklassige neapolitanische Pizza zur Belohnung.

Es folgte eine kurze Etappe – wieder dem Meer entlang – nach Vasto. Unterwegs hatte es grösstenteils einen Radweg und wir wunderten uns, warum alle anderen Radfahrer trotzdem auf der Strasse fuhren. Wir fanden es heraus, als sich der Radweg plötzlich in eine Schlammpiste verwandelte und wir beide auf dem spiegelglatten Schlamm fast stürzten. Wir mussten uns mit grösster Vorsicht auf die Strasse retten, aber unsere Räder und Reifen waren voll mit dem klebrigen Schlamm, so dass wir die Räder auf einem Parkplatz vom gröbsten Dreck befreien mussten. Unterwegs nach Vasto besuchten wir eine Autowaschanlage, das war nun bitter nötig.

In Vasto hatten wir Kontakt mit Giovanni, einem Radfahrer, den wir auf der Plattform Warmshowers kennengelernt hatten. Wir konnten zwar – wegen den Feiertagen – nicht bei ihm übernachten, aber er half uns, ein Paket zu empfangen: Es war lange überfällig, an unseren Rädern die Reifen zu tauschen, aber wir fanden die richtige Grösse einfach nicht unterwegs, weshalb wir sie aus Deutschland bestellen mussten. Dazu benötigten wir eine Lieferadresse, und Giovanni hatte netterweise angeboten, das Paket für uns zu empfangen. Grazie!

Vasto hatte eine schöne Altstadt, aber leider war es sehr neblig, weshalb wir die tolle Aussicht auf das Meer an unserem Pausentag nicht geniessen konnten. Wir kochten dafür etwas Feines, und abends kam Giovanni vorbei, um uns das Paket zu überreichen.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und ich wechselte alle vier Reifen an unseren Rädern. Über 15000km hatten sie uns gute Dienste geleistet, waren aber nun sehr spröde und hatten viele Löcher von all den Dornen, Drähten, Glasscherben und all den anderen Sachen, die wir in den vergangenen Monaten überrollt hatten. Zudem ersetzte ich alle Schläuche, die geflickt waren, und Vivi erhielt endlich einen neuen Ständer.

Vergleich der Reifen, vorher / nachher


Eigentlich wollte ich noch andere Wartungsarbeiten vornehmen, aber wir hatten mit Giovanni zum Kaffee abgemacht. Wir packten unsere Sachen zusammen, beluden die Fahrräder und fuhren zum Kaffeehaus, wo Giovanni uns schon erwartete. Nach Kaffee und Cornetti fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad Richtung Norden, und Giovanni führte uns durch einen schönen Nationalpark. Leider war es immer noch neblig und die Aussicht blieb aus. Nur zwischendurch kam die Sonne plötzlich hervor, nur um wenige Minuten später wieder komplett im Nebel zu verschwinden… Sehr unheimlich! Immerhin konnten wir unser Selfie bei Sonne schiessen.

Unglaublicherweise hatte Vivi mit ihren brandneuen Reifen nach nur wenigen Kilometern den ersten Platten, vermutlich hatte ein Dorn den Schlauch punktiert. Wir pumpten vorerst nur nach, da wir es nicht glauben konnten, dass wir mit den neuen Reifen bereits den ersten Platten hatten!

Durch den Nebel fuhren wir bis nach San Vito, wo wir Feierabend machten. Dort imprägnierten wir auch unsere Regenkleidung neu. Am nächsten Morgen war Vivis Reifen wieder platt, was das Loch im Schlauch bestätigte, und ich flickte den Schlauch, bevor es losging. Der Nebel hatte sich gelegt und wir fuhren bei schönem Wetter weiter Richtung Norden.

Das Radfahren war sehr entspannt, da die Strecke grösstenteils flach war und es fast durchwegs einen Radweg gab. Es reihten sich Hotels und Restaurants an der Küste, aber es war alles wie ausgestorben und auch Vieles war geschlossen, zu unserem Leidwesen auch die Campingplätze. Dafür hatten wir die Strände ganz für uns, was sehr schön war. Ausserdem hatten wir auch die Radwege fast für uns alleine.

Über Weihnachten machten wir in Ancona zwei Tage Pause. Dort mieteten wir eine kleine Wohnung, wo wir Wäsche waschen und kochen konnten. Wir hatten Glück, denn bis auf den Nebel hatten wir seit der Ankunft in Italien sehr gutes Wetter. Kurz nach unserer Ankunft in Ancona kam dann der Umschwung und es regnete in Strömen.

Nach der Pause in Ancona war das Wetter zum Glück wieder besser, aber es war auch kälter als noch ein paar Tage zuvor. Wir radelten dennoch weiter, wiederum der Küste entlang.

Es reihte sich ein Hotel an das andere, jedoch waren die meisten geschlossen. Es war schon eindrücklich zu sehen, und wir waren froh, nicht während der Hauptsaison dort zu sein. Wir hatten die Strände ganz für uns, und genossen weiterhin die fast durchgehenden Radwege direkt an der Küste.

Kurz vor Rimini erreichten wir die 15000km-Marke der Reise. In Rimini machten wir früh Feierabend, denn ich brauchte noch etwas Sonnenlicht, um auf der (geschlossenen) Hotelterrasse den Ölwechsel der Rohloffnabe zu machen. Dabei sinnierte ich darüber, dass ich diesen ziemlich genau ein Jahr und 10000km zuvor im tropischen Hainan gemacht hatte. Zudem wechselte ich an den Vorderrädern noch die Bremsbeläge – das hatte ich zuletzt in Hanoi getan.

Nach Rimini war es dann so weit und wir verliessen die Adriaküste und fuhren auf die Via Aemilia. Dies ist eine ehemalige Römerstrasse, welche von Rimini aus fast schnurgerade durch die Po-Ebene bis nach Piacenza führte. Heute folgt die Strada statale 9 Via Emilia dieser Route. Den ersten Halt machten wir in Cesena.

Weiter, immer geradeaus und meistens auf einem Radweg, ging es bei sonnigem, aber kaltem Wetter Richtung Imola. Dort rasteten wir neben der berühmten Formel-1-Rennbahn, das Autodromo Enzo e Dino Ferrari.

Am nächsten Morgen waren wir bereit für den letzten Fahrtag von 2025. Leider war das Wetter nicht gerade einladend, das warme Hotelbett zu verlassen. Dichter Nebel verhüllte die Landschaft, und das Thermometer zeigte -3°. Als wir kurz nach 9:00 unsere Fahrräder beluden, war es noch immer unter Null und unsere Sättel vereist.

Trotzdem fuhren wir los, mit Winterhandschuhen und fünf Schichten Kleidung. Landschaftlich sahen wir somit nicht wahnsinnig viel. Zum Glück war es auf dem Fahrrad warm, denn durch die Bewegung produzierten wir die nötige Wärme. Einzig die Füsse waren kalt, denn die bekommen viel Wind ab und werden beim Radfahren nicht bewegt.

Kurz vor der Mittagspause wurden wir von einem anderen Radreisenden überholt. Wenigstens gab es auch noch andere Radler, die bei diesen Temperaturen unterwegs sind. Für etwa eine halbe Stunde hatten wir zu dieser Zeit etwas Sonne, und es war merklich wärmer!

Nach dem Mittagessen erreichten wir Bologna, wir machten aber keinen Halt, sondern fuhren direkt weiter. Eigentlich wollten wir dort für Neujahr pausieren, aber die Preise für Unterkünfte schossen durch die Decke: Das günstigste wäre ein Hostelbett für 45€ pro Person gewesen… Nein danke!

So fuhren wir noch ein Stück weiter. Als toller Abschluss des Reisejahres sahen wir plötzlich dutzende Kaninchen am Strassenrand. Keine Ahnung, wo die herkamen, aber es war sehr süss! Nach einer ausgiebigen Fotosession von Vivi fuhren wir weiter, nur um etwas später noch Nutrias am Strassenrand zu sehen.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Castelfranco Emilia, ein kleiner Ort zwischen Bologna und Modena, wo wir für ein paar Tage eine kleine Wohnung fanden. Dort konnten wir kochen und waschen, und über Neujahr bleiben.

Komoot, unsere Navigationsapp, präsentierte uns folgenden Jahresrückblick: 200 Aktivitäten, 10029km gefahren, 713h im Sattel, 59167 Höhenmeter überwunden.

In diesem Sinne: Wir wünschen euch einen guten Rutsch. Danke, dass ihr bei unserer Reise dabei wart. Im neuen Jahr geht es hier mit neuen Beiträgen weiter.

10 Gedanken zu „Kurze Tage an der Adriaküste“

  1. wir wünschen euch ein glückliches neues jahr. geniesst die letzten wochen von eurer reise.
    gute gesundheit und viel glück für’s 2026.
    liebe grüsse
    heidi und fritz

    1. Hallo zusammen

      Auch euch alles Gute für das neue Jahr!
      Ja, wir geniessen es sehr, momentan sogar mit Sonne an der Côte d’Azur 🙂

      Liebe Grüsse
      Damian & Vivi

  2. Liebe Vivi, lieber Damian
    Herzlichen Dank für die vielen spannenden Reiseberichte im 2025.
    Wir wünschen euch alles Gute im 2026 und weiterhin eine schöne Zeit auf eurer letzten Etappe. Wir freuen uns, weiter aus der Ferne mitzureisen.
    Herzliche Grüsse
    Barbara und Peter

  3. Hi Vivi, hi Damian,
    von Schorsch und mir auch ein wunderbares neues 2026! Tja, wir sitzen gerade im sonnig warmen Taiwan, während ihr quasi dort seid, wo wir vor 9 Monaten starteten. War super euren blog zu lesen, da wir ja durch viele Orte in der Gegenrichtung kamen. Wenn wir auch nur 6000 km geradelt sind, es ist schon eine reiche und wertvolle Erfahrung Länder mit dem Fahrrad zu erkunden. Chapeau, dass ihr jeden Meter geradelt seid! Alles Gute für die letzten Meter und natürlich für alles was danach noch kommt.
    Petra und Schorsch

    1. Hallo zusammen!

      Auch euch ein frohes neues Jahr! Viel Spass in Taiwan, Vivis Heimatland 🙂
      Wir sind ja auch nicht jeden Meter geradelt…Und überhaupt spielt ja das keine Rolle, nur die Erinnerungen und Eindrücke zählen!

      Liebe Grüsse
      Damian & Vivi

  4. Äs guets Nöis auch aus Mexiko! Wir wünschen euch viel Sonne und weniger Nebel im neuen Jahr!
    Wir sind gespannt, wie es weitergeht 😀

    1. Hallo zusammen

      Auch euch ein gutes neues Jahr! Wir sind nun an der Côte d’Azur und geniessen hier noch einmal ein paar wunderschöne Sonnenstunden…Norditalien war richtig garstig 😉

      Liebe Grüsse zurück!

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