Unterwegs nach Bischkek

Almaty und Bischkek liegen zwar nur rund 200 km Luftlinie auseinander – doch wir entschieden uns für einen grossen Umweg über den Osten Kasachstans. In Kirgisistan erwarteten uns dann endlose Bergketten, klare Seen und Flüsse, grüne Landschaften, viele Tiere, schlechte Strassen und gastfreundliche Menschen!

Almaty – Bishkek | 27.07.2025 – 21.08.2025 | 889,68 km | 5090 m

Der Nachtzug beförderte uns von Taschkent sicher und ruhig wieder zurück nach Almaty. Lustigerweise hatten wir die gleiche Pravadníza (Zugbegleiterin) wie auf dem Hinweg, welche sich sehr um unser Wohlbefinden bemühte. Das Essen wurde uns vom Bordrestaurant direkt in unsere Kabine gebracht und schmeckte auch recht gut.

Um 10:15 morgens kamen wir in Almaty an und unser Freund Said wartete am Bahnhof auch schon auf uns. Wir fuhren mit dem Auto wieder zu ihm nach Hause, wo wir auch Madina wieder trafen. Danach wuschen wir mit erster Priorität unsere Wäsche und entspannten uns am Nachmittag, da die beiden arbeiten mussten. Am Abend gab es wieder wunderbares Essen, gute Gesellschaft und reichlich Cognac 😉

Said und Madina mussten am nächsten Tag leider Almaty wegen einer Familienangelegenheit verlassen, so dass wir uns gegen Mittag verabschiedeten und in ein Hotel umzogen. Wir mussten noch einige Besorgungen machen, welche wir am Nachmittag erledigten. Ausserdem genossen wir noch italienisches Essen im Restaurant. Noch ein spannender Fakt zu Almaty: Man geht davon aus, dass der Apfel ursprünglich aus den Wäldern rund um die Stadt stammt und sich von dort aus in alle Welt verbreitet hat. Daher trägt Almaty auch den Spitznamen „Stadt des Apfels“.

Am nächsten Tag ging es nach 20 Tagen Urlaub wieder los. Wir radelten bei angenehmen Temperaturen erst kurz vor Mittag los: Am Morgen hatte es noch geregnet, weshalb wir uns nochmals unter der Bettdecke versteckten. Nach dem Mittagessen war ich plötzlich extrem müde – ob daran noch Saids Cognac Schuld war? – so dass wir nach nur 12km in ein Hostel am Stadtrand eincheckten.

Wir verliessen Almaty übrigens gegen Osten, Richtung China. Wir wollten nicht den direkten Weg nach Bischkek nehmen, sondern den ursprünglich geplanten Grenzübergang im Osten von Kirgisistan ansteuern. Zu unserer Rechten lag die imposante Bergkette, die zwischen den beiden Ländern liegt. Wir folgten dem Almaty-Kanal und genossen den Schatten der Bäume, die diesen säumten.

Auch am zweiten Tag kamen wir jedoch nicht so richtig in Fahrt. Das ist der Nachteil, wenn man sich so einen langen Urlaub gönnt: Man ist nicht mehr im Flow und muss sich wieder an den Sattel gewöhnen. So fuhren wir einen kleinen Umweg in die Stadt Issyk, so dass wir nicht im Zelt schlafen mussten: Ich war immer noch ungewöhnlich müde…

Am nächsten Tag machten wir spontan einen Pausentag, bevor wir wieder weiter Richtung Osten fuhren. Wir folgten weiter dem Almaty-Kanal auf einer ruhigen Strasse bei bestem Wetter. Am Abend hatten wir einen malerischen Zeltplatz an einem kleinen Bach in der Nähe eines Dorfs, wo wir am nächsten Morgen einkaufen gehen konnten, bevor wir wieder dem Kanal entlang fuhren.

Im Ort Malybay machten wir unsere Mittagspause, aber ich war plötzlich wieder so müde, dass ich mich nach einem Bett sehnte. Das Zelten in Kasachstan war aus dem Grund nicht so erholsam, weil die Sonne so früh aufging und man es ab 5 Uhr morgens im Zelt wegen der Hitze nicht mehr aushielt… Oder vielleicht waren wir einfach zu weich 😀 So entschieden wir, einen Umweg in die Stadt Schelek zu fahren. Im Hotel „Relax“ fanden wir das ersehnte Bett, eine Klimaanlage und wunderbares Essen im Restaurant. Vielleicht war es Schicksal, aber wir waren froh, nicht im Zelt zu sein, denn am Abend zog ein verrücktes Gewitter auf.

Am nächsten Morgen schliefen wir so lange, dass wir spontan einen weiteren Pausentag einlegten. Am Abend trafen wir Kim und Craig aus Australien: Die beiden sind schon seit drei Jahren mit dem Fahrrad unterwegs und es war sehr spannend, beim gemeinsamen Nachtessen Erfahrungen und Geschichten auszutauschen.

Erholt machten wir uns am nächsten Morgen auf zum Scharyn Canyon. Es war eine anstrengende Etappe, aber am Abend erreichten wir den Nationalpark. Der Scharyn Canyon ist gut 150km lang und wird oft mit dem Grand Canyon verglichen. Wir zelteten wenig spektakulär auf dem Carparkplatz, da wir dort vom Wind geschützt waren. Wir hatten nämlich gehört, dass ein paar Tage zuvor die Zelte mehrerer Leute beim Canyon vom Wind zerfetzt wurden.

Am nächsten Morgen besichtigten wir dann den Canyon, obwohl wir darauf verzichteten, die vielen Stufen hinab in den Canyon zu steigen, denn wir wollten unsere Muskeln für die anschliessende Fahrt nach Kegen schonen.

Unterwegs nach Kegen – der letzte grössere Ort vor der Grenze – trafen wir mehrere Radlerinnen, die uns entgegen kamen. Die erste Radlerin, Iris, war auch schon fast ein Jahr unterwegs: Als wir dann Nummern austauschten, haben wir bemerkt, dass wir vor ein paar Monaten schon einmal in einer What’s App-Gruppe in Kontakt waren, als wir in China waren. So ein Zufall, dass wir uns nun in Kasachstan trafen!

Ein paar Kilometer später trafen wir auf eine Radlerin aus Frankreich, welche uns eine SIM-Karte und kirgisisches Kleingeld schenkte! Sie fragte nach dem Strassenzustand in Kasachstan, welcher sehr gut war. Ein paar Meter später merkten wir dann auch, weshalb sie fragte: Die Strasse verschwand und wir befanden uns auf einer riesigen, staubigen Baustelle. Nach ein paar Kilometern fanden wir dann eine frisch geteerte Strasse vor, und die Bauarbeiter gaben uns ein Zeichen, dass wir auf dem frischen Belag fahren durften. Ein grosser Fehler…

Durch die grosse Hitze war der Teer immer noch etwas flüssig: So klebte nach wenigen Metern eine Mischung aus Teer und kleinen Steinchen an unseren Reifen, welche das Fahren extrem schwerfällig machte. Sehr ärgerlich, aber plötzlich sahen wir Kamele neben der Strasse, welche uns den Ärger sogleich vergessen liessen! So ein surreales Erlebnis: Gefühlt mitten im Nirgendwo, nur wir mit unseren Fahrrädern und Kamelen!

Wir fuhren nach vielen Selfies mit den Kamelen in ein nahe gelegenes Dorf. Wir mussten uns um unsere Reifen kümmern, denn Vivis Hinterrad war mittlerweile auch noch platt. Schlussendlich fanden wir eine Mitfahrgelegenheit nach Kegen. Ein Mann schnürte die Räder auf das Dach seines alten Ladas, und mit dem Kofferraum und der Rückbank randvoll mit unserem Gepäck fuhr er uns die letzten 30km nach Kegen.

Beim Hotel Kegen angekommen wollten wir einchecken, aber die Rezeptionistin sagte nur „pyat minut“ – 5 Minuten. Vor dem Hotel wartete auch noch ein Paar in voller Rocker-Ledermontur auf einer Harley Davidson. Kurz darauf fuhr ein Land Rover vor, Männer stiegen aus und sagten, wir sollen ihnen folgen. Vivi und das Gepäck wurden eingeladen, ich fuhr mit dem Fahrrad hinterher.

Wir und das Biker-Paar wurden in einem Privathaus untergebracht. Warum nicht im Hotel, haben wir nicht herausgefunden, aber es war uns eigentlich auch egal, denn wir waren müde und der Preis stimmte. Ich wurde dann wieder zum Hotel gefahren, um dort Vivis kaputtes Fahrrad zu holen, welches ich dann zu unserer Bleibe schob. Danach gingen wir mit unseren neuen Biker-Freunden, Ivan und Olga, Nachtessen, bevor wir ins Bett fielen und sofort einschliefen.

Am nächsten Morgen begutachtete ich den Schaden an unseren Reifen: Meine Reifen und Vivis Vorderrad konnten wir vom Teer und den Steinchen befreien. Sicher eine Stunde kratzten und schabten wir mit verschiedenen Werkzeugen die klebrige Masse aus dem Profil.

Für Vivis Hinterreifen hingegen haben wir die Hoffnung bald aufgegeben. Wir versuchten, den Teer mit WD40 aufzulösen, aber selbst das half nicht, so verklebt war das Ganze. Zum Glück hatten wir einen Ersatzmantel dabei, welcher nun nach über 10’000km zum Einsatz kam.

Am Mittag waren wir endlich abfahrtsbereit und wir fuhren los, auf nach Kirgisistan. Sehr beeindruckend war für uns, dass sich die Landschaft plötzlich veränderte. Während wir am Vortag noch quasi in der Wüste waren, war es nach Kegen saftig grün und wir sahen Bäume am Horizont! Grosse Herden Pferde, Kühe und Schafe wurden von Cowboys auf Pferden über die Wiesen getrieben. Es wehte auch ein kühler Wind und wir hatten zum ersten Mal seit Monaten mal nicht heiss. Toll!

Nach gut 30km erreichten wir den Grenzübergang im Karkara-Tal. Nur 2-3 Autos waren dort und innert 10 Minuten waren wir in Kirgisistan. In einer Jurte gleich nach der Grenze konnten wir einen Eistee kaufen und unsere restlichen Tenge durch das Fenster eines alten Ladas zu einem guten Kurs in Som umtauschen.

Danach radelten wir weiter und es war für uns, als wären wir in eine andere Welt eingetaucht. Nach mehreren Monaten Steppe und Wüste waren wir nun in den Bergen: Viele Bäche, saftige Wiesen, Bäume, Tiere, Jurten, Cowboys… Ein tolles und motivierendes Gefühl! Wir wollten noch etwa 20 Kilometer fahren, aber bald zogen bedrohliche Gewitterwolken und straffer Wind auf. Im Dorf San-Tasch erkundigten wir uns, ob es irgendwo einen sicheren Platz zum Zelten gäbe. Im Dorfladen trafen wir auf Saikal, die mit ihren vier Kindern und den Schwiegereltern gleich nebenan wohnte. Sie bot uns an, bei ihr zu übernachten.

Diese Einladung nahmen wir natürlich noch so gerne an, denn es begann zu regnen. Wir spielten mit den Kindern und lernten uns mit Google Translate kennen. Nach dem gemeinsamen Nachtessen schliefen wir im Wohnzimmer am Boden.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns nach dem Frühstück von der Familie. Wir liessen etwas Geld dort, welches gleich in neue Schulkleidung für die Kinder investiert wurde. Es war bewölkt und es fielen auch ein paar Tropfen Regen, aber wir machten uns trotzdem auf den Weg. Gleich zu Beginn hatten wir einen kleinen Pass vor uns. Die Strasse wechselte von perfekten Asphalt zu Schotterpiste und es ging extrem steil den Berg hoch, so dass wir die nächste Stunde mehrheitlich schoben.

Nach dem Pass ging es wieder bergab und wir fuhren über eine malerische Weidelandschaft, wie man sie in der Schweiz finden würde. Nicht umsonst wird Kirgisistan als „Schweiz Zentralasiens“ bezeichnet. Auf der Abfahrt trafen wir auf viele Kinder, die uns mit ihren putzigen roten Bäckchen anstrahlten und uns die Hand schütteln wollten. Im Sommer helfen die Kinder mit den Tieren und lernen bereits mit drei Jahren das Reiten!

Danach wurden wir von einem alten Ehepaar und ihrer Tochter zum Pick-Nick hergewunken. Wir packten unsere Stühle aus und gesellten uns dazu. Die Babuschka („Grossmütterchen“) stellte sicher, dass wir alles probierten und genug gestärkt waren, um weiter zu fahren. Sie amüsierte sich köstlich, und auch der Deduschka (Opa) lächelte zufrieden, während er die zuckersüsse Wassermelone vertilgte. Am Schluss wurde für uns gebetet und eine sichere Weiterreise gewünscht. Die Gebete konnten wir gut gebrauchen, denn auf der halsbrecherischen Strasse ins Tal wäre ein Mountainbike besser geeignet gewesen, als unsere schweren Tourenräder.

Nach der Abfahrt hatten wir immer noch etwa 50 Kilometer vor uns, und die Strasse wechselte zwischen Schotter, Wellblech und akzeptablem Asphalt. Nur knapp entkamen wir einem Gewitter, bevor wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit die Stadt Karakol erreichten.

Karakol war alles andere als eine schöne Stadt, aber wir gönnten uns trotzdem einen Pausentag. Wir hatten ein riesiges Zimmer und ganz in der Nähe gab es ein sehr gutes Restaurant (Karakol Lighthouse).

Trotz der Verlockung, noch einen Tag anzuhängen, machten wir uns auf den Weg. Wir wurden mehrmals vorgewarnt, dass die Strasse am Südufer des Yssyk-Köl eine Katastrophe sei, aber wir zogen sie trotzdem dem viel touristischeren Nordufer vor. Bevor wir die Stadt verliessen, besichtigten wir noch die Kathedrale der Stadt.

Der Yssyk-Köl ist der zweitgrösste Bergsee der Welt (nach dem Titicaca-See) und erhielt seinen Namen – der heisse See – dadurch, dass er trotz des bitterkalten Winters in Kirgisistan nie zufriert. Mit einer Tiefe von 668m gehört er zu den tiefsten Seen der Welt und wurde deshalb von der Sowjetunion als Testgebiet für Torpedos genutzt. Ausserdem geht die Wissenschaft davon aus, dass im 14. Jahrhundert an diesem See der Erreger der Pest zum ersten Mal auf den Menschen übergesprungen ist.

Etwa 20km nach Karakol erschien der See am Horizon und leuchtete wunderschön blau, so dass es aussah, als ob wir das Mittelmeer erreicht hatten. Die verschneiten Gipfel rings um den See erinnerten uns aber daran, dass wir uns auf über 1600m ü.M. befanden.

Leider hatte es dieses Mal Vivi erwischt mit Magenproblemen (vermutlich hatte sie schlechtes Wasser getrunken), weshalb wir ein Hotel ansteuerten, statt am einladenden Ufer des Sees zu zelten. Fliessendes Wasser und eine Toilette sind in diesem Fall einfach viel wert! Auch die nächsten paar Tage – inklusive eines Pausentages – entschieden wir uns, in einfachen Guesthouses zu übernachten. Dort war das Nachtessen und Frühstück inklusive und meistens hatte es herzige Kinder, die mit uns spielen wollten. Die Strasse war wie angekündigt eine Katastrophe und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Unsere gefederte Sattelstütze war hier ihr volles Geld wert und wir wünschten uns dazu noch einen gefederten Lenker, denn am Abend taten vor allem die Handgelenke weh.

Wir trafen auf diesem Abschnitt auch einige Radreisende. Speziell zu erwähnen gibt es hier Fedor und Svetlana: Ein russisches Ehepaar in unserem Alter, welches seit dem Angriff auf die Ukraine mit dem Fahrrad unterwegs ist. Da sie mit dem Russischen Pass kaum irgendwo hinreisen können, drehen sie seit 2022 etliche Runden durch Zentralasien. Nach Russland zurück wollen sie erst, wenn der Krieg vorbei ist… Fast 4 Stunden sprachen wir mit ihnen und es war sehr interessant. Sie versorgen sich zu einem Teil selbst (zum Beispiel mit Angeln), kochen immer auf offenem Feuer und haben ihre Taschen als alten Rucksäcken selbst genäht. Wir hatten das Gefühl, dass die beiden sehr dankbar waren, dass sich jemand die Zeit nahm, mit ihnen zu sprechen…

Als wir nach ein paar Tagen das westliche Ende des Sees erreicht hatten, war unser Plan, rein ins Gebirge zum Song-Köl See zu fahren. Leider scheiterte dieses Vorhaben schon am ersten Tag, da die Strasse nach Kochkor gesperrt war. Der Umweg, der uns vorgeschlagen wurde, konnten wir mit dem Fahrrad leider nicht an einem Tag bewältigen. So fuhren wir zurück zum Yssyk-Köl in die Stadt Balyktschy. Dort kamen wir – kurz bevor der Regen einsetzte – bei einer Babuschka in ihrer Jurte unter. Da es am nächsten Tag immer noch regnete, fuhren wir in ein Hotel und machten dort noch weitere zwei Tage Pause. Vivi hatte sich eine Erkältung eingefangen, welche es auszukurieren galt.

Da wir spätestens am 24. August in Bischkek sein wollten, war uns der Weg zum Song-Köl – welcher auf über 3000m ü.M. liegt – etwas zu sportlich. Wir entschieden somit, diesen auf ein anderes Mal zu verschieben… Vielleicht dann in Kombination mit dem Pamir Highway und mit leichteren Fahrrädern 😉

Nach zwei Tagen war Vivi wieder einigermassen gesund und das Wetter wieder traumhaft schön, so dass wir aufbrachen. Dabei folgten wir dem Fluss Tschüi, welcher vom Yssyk-Köl Tal durch die imposante Boom-Schlucht fliesst. Interessant ist dabei noch folgendes: Der Yssyk-Köl ist ein abflussloser Salzsee. Der Tschüi fliesst nur wenige Kilometer mit nur 15m Höhenunterschied daran vorbei. Das bedeutet: Wäre der Wasserpegel des Sees nur 15m höher, würde er über den Tschüi entwässern und wäre kein Salzsee geworden.

Wir folgten dem Fluss durch die Schlucht und konnten grösstenteils bergab fahren, weshalb wir zügig voran kamen. Nach etwa 80km erreichten wir das Dorf Kemin im Tschüi-Tal, wo auf der Karte ein Hotel eingezeichnet war. Leider war dieses geschlossen…

Wir entschieden dann, angespornt vom schönen Wetter und dem bergab Fahren, nochmals 30km anzuhängen und bis nach Tokmok zu fahren. Diese Stadt liegt an der Grenze zu Kasachstan. Nach einer Tagesetappe von 112km checkten wir dort in ein einfaches Hotel mit sehr freundlicher Rezeptionistin ein.

Am nächsten Tag fuhren wir zum berühmten Burana-Minarett, welches etwa 10km von Tokmok entfernt liegt. Das Burana-Minarett ist eines der ältesten Bauwerke in Zentralasien und nebenan liegt eine Ausgrabungsstätte einer antiken Stadt. Unterwegs schenkten wir einem Taxifahrer unser restliches Benzin des Kochers.

Vivi war immer noch erkältet und schlapp und wir entschieden, nicht weiter zu fahren und schon mittags im Dorf Burana in ein Guesthouse einzuchecken.

Während Vivi sich hinlegte, machte ich mich auf eine kleine Solo-Mission: Etwa 15km entfernt lag ein Dorf namens Rot-Front, welches vor etwa 100 Jahren von Deutschen Siedlerinnen und Siedlern unter dem Namen Bergtal gegründet wurde.

Kurz zusammengefasst kamen viele deutschstämmige Menschen im 19. Jahrhundert nach Kirgisistan in das Talas-Tal. Oft waren es Mennoniten oder Baptisten, welche in die vom Russischen Kaiserreich neu eroberten Gebiete eingeladen wurden. Ihnen wurden gewisse Privilegien zugesprochen, wie die Befreiung vom Militärdienst und Steuerfreiheit. Als im Talas-Tal im Westen Kirgisistans der Platz knapp wurde, wurde im Tschüi-Tal weiteres Land zur Besiedlung freigegeben. Dort wurde unter anderem das Dorf Bergtal gegründet, welches später mit Grüntal fusionierte und in Rot-Front umbenannt wurde.

Meine Mission war, dorthin zu radeln und jemanden zu finden, der Deutsch spricht. Ohne Gepäck und mit Musik in den Ohren machte ich mich auf und nach einer guten Stunde erreichte ich das Ortsschild: Rot-Front.

Ich wurde von ein paar Kindern begrüsst, und ein Junge kannte immerhin die Wörter „Hallo“ und „Tschüss“. Im Dorfladen wurde ich nicht fündig, so dass ich zur Schule fuhr. Ich hatte gelesen, dass das Goethe-Institut früher einen Deutschlehrer für das Dorf subventioniert hatte. Leider fand ich auch bei der Schule keinen Hinweis auf die Deutsche Geschichte, so dass ich auf die einzig andere Strasse im Dorf fuhr.

Ein LKW mit deutschem Nummernschild liess meine Hoffnung aufflammen! Ein paar Meter später dann tatsächlich ein Schild: Museum.

Auch davon hatte ich gelesen: Der letzte Deutschlehrer des Dorfs hat ein kleines Museum aufgebaut. Dort traf ich auf zwei Radreisende aus Deutschland, die gerade auf der Führung waren. Ich schloss mich an und lernte viel über die Geschichte der Deutschen in Kirgisistan – Selbstverständlich auf Deutsch!

Gerade als ich losfahren wollte, trafen auch noch drei Frauen ein, die in Rot-Front geboren wurden und nun für eine Klassenzusammenkunft zurückkehrten. Auch mit ihnen unterhielt ich mich kurz, was auch sehr spannend war!

Dunkle Wolken zogen auf, so dass ich mich danach auf den Rückweg nach Burana machte. Da alles bergab ging, war ich schnell und vor dem Gewitter wieder zurück. Mission geglückt!

Am nächsten Tag machten wir uns bei bestem Wetter auf nach Bischkek. Zuerst auf einer Schotterstrasse entlang eines Kanals mit wunderschönem Bergpanorama, danach auf der staubigen Hauptstrasse. Bischkek – bis 1991 Frunse – ist die Hauptstadt Kirgisistans und mit Abstand die grösste Stadt. Wir waren etwas verwundert über den schlechten Zustand der Strasse so nahe an der Hauptstadt, und Vivi hatte etwa 30km vor dem Ziel noch einen Platten.

Während ich den Platten flickte, kam Vivi mit einer netten Frau ins Gespräch. Als sie sah, dass ich nach getaner Arbeit einen Energy-Drink trank, meinte sie, das sei sehr ungesund, nicht mal die Produzenten würden das trinken. Ich erwiderte, ich sei müde und brauche Energie für die Fahrt nach Bischkek. Daraufhin meinte sie: „Allah gives you the strength!“

Mit der kombinierten Kraft von Allah und Gorilla-Energy Mango/Granatapfel schafften wir die letzten, sehr staubigen und stickigen Kilometer bis nach Bischkek!

4 Gedanken zu „Unterwegs nach Bischkek“

  1. Hallo zeme,

    Mega kuhli Selfies mit de Kamel🤣

    Zum Glück gits Energy Drinks 🤣

    Liebi Grüess und wünsche weiterhin e spannendi Reis 😄

  2. Hallo aus der Schweiz

    Wider ein so toller Bericht mit so schönen Fotos
    so viele Erlebnisse die kann Mann gar nicht alle richtig verarbeiten kann .

    Liebe Grüsse
    Béatrice

    1. Hallo Béatrice

      Ja, so viele Eindrücke jeden Tag… Wir werden sicher auch nach unserer Reise noch Zeit brauchen, das alles zu verarbeiten! Es passiert so viel, jeden Tag! 🙂 Wir finden das toll!

      Lieber Gruss
      Damian & Vivi

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