In vier Etappen fuhren wir von Taldyqorghan nach Almaty. Die Landschaft bot weite Steppe, hohe Berge und klare Seen. Unterwegs trafen wir wieder tolle und hilfsbereite Menschen. In der ehemaligen Hauptstadt Almaty hatten wir Zeit, unseren Reiseplan zu überdenken und unsere nächsten paar Wochen zu planen.
Taldyqorghan – Almaty | 01.07.2025 – 11.07.2025 | 281,90 km | 1890 m
Drei Tage lang machten wir Pause in Taldyqorghan, bevor wir uns auf den Weg nach Almaty machten. Die ehemalige Hauptstadt – damals bekannt unter dem Namen Alma-Ata – ist die grösste Stadt und das kulturelle Zentrum Kasachstans, und war unser nächstes Ziel.
Die erste Etappe führte uns in die Nähe der Siedlung Aynabulaq. Auf dem Weg dorthin hatten wir gut 500 Höhenmeter in der glühenden Hitze zu überwinden. Das Thermometer am Fahrradcomputer kletterte zum zweiten Mal auf unserer Reise auf 50 Grad! Wir kamen darum ganz schön ins Schwitzen, aber da wir gut erholt waren, schafften wir es und mussten dieses Mal nicht umkehren. So erreichten wir an diesem Tag 10’000 Kilometer seit Abfahrt in Singapur!
Am Abend wollten wir kurz vor Aynabulaq zelten, denn auf Google Maps sahen wir, dass es dort ein paar Bäume gab (diese sind nämlich in der kasachischen Steppe Mangelware). Leider führte nicht wie erwartet eine Schotterpiste dort hin, sondern eine Sandpiste. Mit schweren Fahrrädern im Sand zu fahren, ist extrem mühsam und anstrengend, weshalb wir die Idee von diesem Schlafplatz schnell aufgaben. Trotzdem war am Schluss alles voller Sand…

Wir fuhren dann nach Aynabulaq und versuchten dort, eine Unterkunft zu finden. Leider gab es kein Hotel, aber immerhin schenkte uns ein netter (und begeisterter) Mann aus Usbekistan eine kalte Flasche Cola. Wir fuhren danach umher und fanden am Rande des Dorfs einen geeigneten Platz zum Zelten. Wir fragten die Frau im Haus nebenan, ob es für sie in Ordnung wäre. Natürlich war es kein Problem und sie meinte, wir sollten uns melden, falls wir etwas bräuchten.
Wir bauten somit unser Zelt auf und kochten Pasta mit Tomatensauce. Leider hatten wir versehentlich Tomatenmark statt Sugo gekauft, und das Nachtessen war somit nicht bombastisch… Aber wenn man Hunger hat, ist man nicht wählerisch! Danach legten wir uns müde ins Zelt, denn es wurde auch schon dunkel. Kurz bevor wir einschliefen, hörten wir draussen Schritte…
Es war die Frau vom Nachbarhaus mit ihrem Sohn. Sie brachte uns Tee und Gebäck: Es sei Tradition, seinen Gästen etwas anzubieten. Wir verständigten uns mit Google Translate, bis wir die nächste Überraschung erlebten: Plötzlich merkten wir, dass die Frau Chinesisch sprach, und somit konnten wir uns tiptop mit ihr unterhalten. Wieder eine tolle Geschichte in der Kategorie „tolle Begegnungen mit kasachischen Menschen“. ❤️

Am nächsten Morgen genossen wir es erstmal, dass der Himmel strahlend blau war und wir somit nicht vor Gewitter oder stechenden Insekten flüchten mussten. Wir kochten Kaffee und assen Müsli, bevor wir in Ruhe alles zusammenpackten. Danach fragten wir die Nachbarin für Wasser, und nach dem obligatorischen Selfie zogen wir von dannen.
Obwohl wir einen frühen Start hinlegten, war es schon wieder extrem heiss. Da die Sonne bereits um 4 Uhr aufging, heizte sich die Luft schon seit Stunden auf. Vor uns lagen die letzten Berge auf dem Weg nach Almaty. Es war sehr schön und wir kamen auch gut voran, da wir endlich mal keinen Gegenwind hatten. Am Nachmittag erreichten wir den höchsten Punkt des Tages – knapp über 1000m ü.M. – und genossen die flotte Abfahrt.
Unten angekommen machten wir einen Halt an einer Raststätte, aber das angebotene Zimmer dort entsprach nicht wirklich unserem Geschmack. Deshalb entschieden wir, noch etwas weiter zu fahren. Nach knapp 100km erreichten wir den Ort Schengeldi, wo uns Google Maps ein Hotel versprach. Leider war dieses geschlossen und wir irrten auf der Suche nach einer Unterkunft im Dorf herum. Ein paar Jugendliche führten uns zu einem Fluss, wo wir hätten zelten können. Jedoch gab es viele Mücken und die Frösche quakten sehr laut, weshalb wir uns wieder auf die Suche nach einem besseren Platz machten. Da es schon eindunkelte, fragten wir einen Polizisten bei einem Dorffest, wo es einen guten und sicheren Platz für uns gäbe.
Er setzte sich ins Polizeiauto und sagte uns, wir sollen ihm folgen. Wir fuhren ihm hinterher und er führte uns zum Polizeiposten. So stellten wir in der Dunkelheit unser Zelt hinter dem Polizeiposten im Garten auf. Auf jeden Fall ein sicherer Platz 🙂
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Qapschaghai-Stausee, welcher etwa 80km nördlich von Almaty liegt. Es war eine kurze Etappe und wir waren froh darüber, denn wir spürten die Beine von den Höhenmetern vom Vortag. In Qonajew, einem beliebten Ort für Wochenendausflüge, checkten wir in ein Hotel direkt am See ein und machten dort eine Pause. Wir waren immer noch etwas traurig, dass wir nicht länger am Alaköl blieben, weshalb wir von diesem See nicht nochmals zu früh abreisen wollten.
Wir übernachteten in einem kleinen Hotel unweit vom Strand. Da es aber so dermassen heiss war, gingen wir nur einmal zum See. Die meiste Zeit verbrachten wir im Pool. Nach drei Nächten machten wir uns auf den Weg nach Almaty.
Die Fahrt nach Almaty hatte zum Radfahren wenig zu bieten. Zuerst folgten wir etwa 30km dem schmalen Standstreifen auf der Autobahn, auf welchem die Autos mit Tempo 140 an uns vorbei rasten, danach einer parallelen Strasse mit etwas weniger Verkehr. Interessant war jedoch, dass wir auf eine imposante Bergkette zufuhren: Almaty liegt am Fusse des Transili-Alatau, einem fast 5000m hohen Gebirgszug, der zum Tian-Shan gehört. Auf dem Weg in die Stadt fuhren wir zufällig am Deutschen Theater vorbei.

In Almaty wurden wir von Said und Madina, welche wir am Alaköl-See kennengelernt hatten, eingeladen. Schon damals meinten sie, wir sollen uns melden, sollten wir nach Almaty kommen (was ursprünglich nicht der Plan war). Wir meldeten uns und sie meinten, wir sollen direkt zu ihrem Haus fahren. Dies taten wir und wir wurden herzlich begrüsst: Als wir um etwa 18:00 dort eintrafen, war der Tisch schon reich bedeckt und Said war damit beschäftigt, dutzende Schaschlik-Spiesse zu grillen. Nach einer kurzen Dusche war schon das Festmahl angesagt, wo neben viel Schaschlik und anderen Speisen auch reichlich Cognac gereicht wurde. Anders als am Alaköl hielten wir es hier nicht für angebracht, den Trunk abzulehnen, und somit hiess es: Давайте! (Dawaitje – Auf geht’s!)

Am nächsten Morgen wachten wir etwa um 9 Uhr – überraschenderweise ohne Kater – auf und bekamen ein erstklassiges Frühstück serviert. Nachher fuhren wir in die Berge nach Medeu, wo die berühmte Eisbahn liegt. Leider begann es kurz nach unserer Ankunft zu regnen, weshalb unser Fussmarsch dort eher kurz ausfiel. Madina, welche als Coiffeuse arbeitet, hielt uns alle mit ihren Spässen aber bei bester Laune.
Said, welcher sein Zahnmedizinstudium mit einem prestigeträchtigen roten Diplom abgeschlossen hat – dieses erhielten in der UdSSR nur herausragende Student:innen – arbeitet heute selbständig mit der Vermietung von Elektroscootern. Er brachte zwei seiner Scooter mit in die Berge und wir konnten damit herumdüsen. Danach fuhren wir an einen Fluss, wo wir ein Picknick machten. Später brachten sie uns noch in den Zoo, wir waren aber schon recht müde von den vielen Treppen in den Bergen, und wir fanden die Haltung der Tiere auch recht traurig und nicht mehr zeitgemäss…
Am Abend wurden wir wunderbar von Said bekocht und selbstverständlich gab es auch wieder reichlich Cognac. Vielleicht gilt es an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass weder Said, noch Madina Englisch sprechen. Die Kommunikation funktionierte aber mit Apps, Gesten und ein paar Wörtern Russisch trotzdem sehr gut, vor allem am späteren Teil der Abende 😉
Am nächsten Tag war relaxen angesagt: Madina musste arbeiten, aber wir wurden erneut von Said bekocht, und er holte schon beim Mittagessen den Vodka hervor. Zwischendurch müsse man auch etwas anderes als Cognac trinken, das sei gesünder, meinte er… So wurde es ein fauler Nachmittag, aber ich nutzte die Zeit, den weiteren Verlauf unserer Reise zu planen – Das Resultat dieser Planung wird dann im nächsten Beitrag enthüllt!
Am nächsten Morgen standen wir früh auf, denn unsere Gastgeber mussten beide arbeiten. Wir gingen somit gemeinsam aus dem Haus und wir waren an diesem Tag auf uns alleine gestellt. So hatten wir Zeit, die Stadt zu erkunden: Man kann ja nicht die ganze Zeit nur Cognac und Vodka trinken! Madina fuhr uns mit dem Auto bis ins Stadtzentrum, von dort aus ging es für uns zu Fuss weiter.
Zuerst liefen wir zur Christi-Himmelfahrt-Kathedrale, eines der Wahrzeichen der Stadt. Sie befindet sich im Park der 28 Panfilowzy. Neben dem wunderschönen Gebäude waren wir auch beeindruckt von den vielen Tauben, die auf dem Platz herumliefen.
Im gleichen Park gibt es auch ein Denkmal für die gefallenen sowjetischen Soldaten im zweiten Weltkrieg. Dort gab es auch ein „ewiges Feuer“ für die Panfilows 28 Helden: Der Legende nach kämpften diese 28 Soldaten in der Schlacht um Moskau bis zum Tode. Tatsächlich kämpfte Panfilows Einheit damals jedoch an einer anderen Stelle der Front…
Weiter ging unsere Stadtrunde zur zentralen Moschee. Da es Freitag war, waren dort gerade die Vorbereitungen für das Freitagsgebet im Gange. Rund um die Moschee wurden hunderte Gebetsteppiche sorgfältig von Freiwilligen verteilt. Die Moschee selber betraten wir nicht, aber von aussen sah sie sehr hübsch aus. Vor allem gefiel uns die blaue Eingangspforte. Ausserdem besuchten wir den nahe gelegenen „Grünen Basar“. Dort war aber morgens noch nicht so viel los.
Danach liefen wir noch an verschiedenen anderen Parks und Bauwerken vorbei. Almaty hat uns sehr gut gefallen, da es quasi an jeder Ecke etwas zu entdecken gab. Ausserdem waren die meisten Strassen mit Bäumen gesäumt – So viele schöne und grosse Bäume hatten wir schon lange nicht mehr gesehen!
Kasachstan hat uns – trotz den teilweise etwas schwierigen Umständen – sehr gut gefallen. Vor allem die Herzlichkeit, Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hat uns sehr berührt! Wir hätten auch gerne noch eine Weile bei Said und Madina verweilt, aber unsere 30 Tage Aufenthaltserlaubnis näherte sich schon bald dem Ende, weshalb wir weiterziehen mussten…






































